Radmarathon - Die Veranstaltung 2019

Radtrikot 2019

  1. Pacemakers Marathon: mit Sport und Leidenschaft für eine Welt ohne Atomwaffen
    „Bundesregierung muss Vertrag für ein Verbot von Atomwaffen unterzeichnen“

Welch eine Punktladung in mehrfacher Sicht. Bereits im Herbst 2018 stand der Termin für den 15. Pacemakers-Radmarathon am 3. August 2019 fest. Mit dem Aus des INF-Vertrags zum Verbot von Mittelstreckenraketen zwischen Russland und den USA am 2. August bekam die Jubiläumsfahrt eine ungeahnte politische Aktualität. Die längste eintägige Raddemonstration in Deutschland und mittlerweile weit über die Grenzen hinaus startete pünktlich um 5 Uhr 45 in Bretten und kam überall an den geplanten Stationen fast pünktlich auf die Minute an. Wie ein Uhrwerk fuhr das Feld mit über 150 RadsportlerInnen die 338 km lange Strecke von Bretten über Neckargemünd, Mannheim, Kaiserslautern, Ramstein, Landau zurück nach Bretten. Angetrieben und hervorragend zusammengehalten von den Ordnungsfahrern des RSC Bretten erreichten die RennradfahrerInnen am Ende einen Schnitt von über 30 km/h. Das Teilnehmerfeld war bereits seit Ende Mai ausgebucht. Deutlich über 90 % waren dabei über die Gesamtstrecke unterwegs. 

Der Radsportclub Bretten ist seit vielen Jahren Mitveranstalter der von der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK) Baden-Württemberg koordinierten Tour. Die Friedensinitiativen Bretten und Westpfalz, die Arbeitsstelle Frieden der ev. Landeskirche Baden, die DFG-VK Mannheim, der Heidelberger Friedensratschlag und die Grünen Neckargemünd waren lokale Partner. Etliche Sponsoren unterstützten mit Sachspenden. Die Schirmherrschaft hatten gemeinsam die Oberbürgermeister Wolff (Bretten) und Dr. Kurz (Mannheim) übernommen. Der Brettener OB war auf der ersten Etappe begleitend auf dem Motorrad dabei und begrüßte abends auf dem Marktplatz in seiner Heimatstadt. Etliche weitere (Ober)Bürgermeister, Kreis- und Gemeinderäte sowie ein Landtagsabgeordneter engagierten sich während des Tages auf dem Rad oder in den Stationen.

Die Raddemonstration machte auf die besonderen politischen Rahmenbedingungen aufmerksam. Während die Gefahr eines Weltuntergangs unvermindert hoch ist und die sogenannte doomsday clock weiter auf 2 Minuten vor Zwölf steht, wachsen weltweit die Bemühungen für die Vernichtung aller Atomwaffen, auch dank über 8.000 Mayors for Peace Städten weltweit. Die große Sorge vor der angespannten Situation nach Beendigung des INF-Vertrags und der Gefahr eines neuen Wettrüstens wurde in vielen Reden in den einzelnen Stationen ausgedrückt. Gleichzeitig wurde das große Ziel untermauert, für das sich die Pacemakers wiederholt einsetzen: der Unterstützung des Verbotsvertrags von Atomwaffen (Nuclearban treaty), der aktuell von 70 Staaten unterzeichnet und von 24 ratifiziert wurde. Leider stehen noch sowohl alle Atomwaffenstaaten als auch alle NATO-Staaten abseits.

So stand im Mittelpunkt aller Reden der Wunsch, die Bundesregierung möge ihre Zurückhaltung aufgeben und diesen Vertrag unterzeichnen. Vielleicht ist es gerade der Rückenwind aus der Zivilgesellschaft, der die RennradfahrerInnen, das gesamte Organisationsteam und die vielen HelferInnen zu erneuten Höchstleistungen antrieb. Denn bereits 44 Städte haben dazu in Deutschland einen Appell beschlossen, der diese Forderung an die Bundesregierung unterstützt.

Dabei heißt es: „Wir sind zutiefst besorgt über die immense Bedrohung, die Atomwaffen für Städte und Gemeinden auf der ganzen Welt darstellen. Wir sind fest überzeugt, dass alle Bewohner und Bewohnerinnen dieser Erde das Recht auf ein Leben frei von dieser Bedrohung haben. Jeder Einsatz von Atomwaffen, ob vorsätzlich oder versehentlich, würde katastrophale, weitreichende und lang anhaltende Folgen für Mensch und Umwelt nach sich ziehen. Daher begrüßen wir den von den Vereinten Nationen verabschiedeten Vertrag zum Verbot von Atomwaffen 2017 und fordern die Bundesregierung zum Beitritt auf.“ Wenige Tage vor den Hiroshima- und Nagasakigedenktagen ein besonderes Anliegen. Die internationale Kampagne ICAN (International Campaign to Abolish Nukes) war maßgeblich am Zustandekommen dieses Vertrages beteiligt, der am 7. Juli 2017 von 122 Staaten beschlossen wurde. ICAN erhielt für diese Bemühungen 2017 den Friedensnobelpreis, zusammen mit ca. 500 Partnern weltweit. Zu diesen Partnern zählt auch die DFG-VK und die Kampagne „Büchel ist überall! atomwaffenfrei.jetzt“.

Der Marathon verdeutlichte wiederholt die außergewöhnliche Verbindung zwischen der Friedensbewegung, dem Radsport und den Städten, die sich vielfach in den Mayors for Peace engagieren. Das nicht zu übersehende Peloton wurde erneut vorbildlich von der Polizei mit teilweise bis zu 5 Motorrädern sowie durch die Pacemakers-Begleitfahrzeuge eskortiert. Der auf den Trikots aufgedruckte Leitspruch „Frieden ist der Weg“ bekam am diesem Tag eine besondere Bedeutung. Frieden wurden in jeder einzelnen Sekunde gelebt. Mit Leidenschaft und Solidarität, mit Genuss und Hingabe an den Verpflegungsstellen. Mit einer liebevollen Betreuung in den Städten, Herzblut bis ins letzte Detail. Überwältigende Rückmeldungen der Teilnehmenden künden davon, dass viele auch 2020 wieder dabei sein werden, als Teil einer großen Familie, der Radsport und Frieden gleichermaßen wichtig ist. Und wenn eine solche Veranstaltung von sehr Vielen als nicht nur sportlicher Jahreshöhepunkt gesehen wird, lässt das einem Koordinator und Impulsgeber wie mich das Herz aufgehen. Genau solche Ermutigungen sind es, aus der Hoffnung und Zuversicht erwachsen, dass sich die Welt positiv verändern lässt. Zumal viele Medien ausführlich berichteten und die Botschaft verbreiten, darunter auch mehrere Fernsehbeiträge des SWR. Und genau dafür stehen die Pacemakers seit Jahren unentwegt. Und immer mehr Menschen ansteckend.

Schirmherren

 


Martin Wolff
Oberbürgermeister
von Bretten


Dr. Peter Kurz
Oberbürgermeister
von Mannheim --!>