Nuclearbantour 2019

Nuclearbantour Trikot 2019

Pacemakers Nuclearban Tour:
4 europäische Länder, 4 Tage, 750km
Mit Enthusiasmus und Leidenschaft den Frieden fördern

Kurz vor Schließung der Wahllokale rauschte die Pacemakers Nuclearban Tour am 26. Mai mit Tempo 40 am Rande des Karlsruher Stadtwaldes zum Platz der Grundrechte. Vorneweg 6 Polizeimotorräder als Eskorte. Es war der krönende Abschluss für die schnellste Raddemo der Welt mit 75 RennradfahrerInnen und 10 BegleiterInnen. In diesem Moment waren in vier Tagen 750 km zurückgelegt. Auf einer grandiosen Tour, in der die Begeisterung und der Enthusiasmus von Stunde zu Stunde wuchs. Begleitet von einer Freude, Herzlichkeit und Menschlichkeit, die alle ansteckte. Im Begleitfahrzeug, auf den Fahrrädern, bei den Empfängen, bei der Polizei, am Rande der Straße. Und das obwohl das Thema alles andere als erfreulich ist: die Bedrohung durch Atomwaffen.

Mit der Tour vom 23.-26. Mai durch Deutschland, Frankreich, Belgien und Luxemburg haben wir auf die aktuellen Gefahren durch Atomwaffen aufmerksam gemacht und die große Sorge vor einem neuen atomaren Wettrüsten ausgedrückt. Gleichzeitig wurde von Tag zu Tag die Hoffnung gestärkt, die durch die zunehmende Unterstützung für den Verbotsvertrag von Atomwaffen (Nuclearban treaty) ausgeht, der aktuell von 71 Staaten unterzeichnet und von 23 ratifiziert wurde. Die internationale Kampagne ICAN (International Campaign to Abolish Nukes) war maßgeblich am Zustandekommen dieses Vertrages beteiligt und erhielt für diese Bemühungen 2017 den Friedensnobelpreis, zusammen mit ca. 500 Partnern weltweit, u.a. auch die Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), deren Landesverband Baden-Württemberg die Pacemakers Nuclearban Tour organisiert.

Während die sogenannte doomsday clock weiter auf 2 Minuten vor Zwölf steht, wachsen weltweit die Bemühungen für die Vernichtung aller Atomwaffen, auch dank über 8.000 Mayors for Peace Städten weltweit. Einige dieser Städte wurden bewusst in die Tourenplanung eingebunden.

Start und Ziel in Karlsruhe wurde ausgewählt aufgrund des 70. Geburtstages des Grundgesetzes. Artikel 1: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Zum Auftakt fand bereits am Vortag (22. Mai) ein Empfang auf dem Marktplatz statt, mit einer Ansprache von Dr. Eberhard Fischer, Koordinator der internationalen Beziehungen der Stadt. Anschließend ging es zu einer Kundgebung ans Bundesverfassungsgericht mit Oberkirchenrätin Karen Hinrichs und Claudia Duppel vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg. Der Journalist Andreas Zumach forderte nachdrücklich ein Atomwaffenverbot im Grundgesetz als eine Vielzahl Prominenter zum Verfassungsgespräch mit Bundespräsident Steinmeier an uns vorbeizogen.

Am nächsten Morgen gab Gisela Splett als Staatssekretärin das Startsignal für die Rundfahrt bevor das Peloton einen ersten Halt im Ehrenhof des Rastatter Schlosses einlegte, begrüßt von Bürgermeister Arne Pfirrmann und Pfarrer Wenz Wacker. Der Slogan „Frieden schaffen ohne Waffen“ entstand dort. Weiter ging es entlang der alten Maginot Linie, an der viele Jahrzehnte Schlachten zwischen Deutschland und Frankreich tobten, bis zum Rathaus Pirmasens, vor dem uns der Beigeordnete Denis Clauer begrüßte. Höhepunkt des Tages war die Fahrt durch das wunderschöne Saarland und eine fantastische Polizeibegleitung bis zum Innenhof des Saarbrücker Rathauses. Dort erwarteten uns viele FriedensfreundInnen. Oberbürgermeisterin Chalotte Britz und der Europaabgeordnete Jo Leinen begrüßten uns ebenso wie Thomas Hagenhofer für das Friedensnetz Saar.

Der zweite Tag geriet zum emotionalen internationalen Höhepunkt. Noch vor dem Start gab es eine kleine Gedenkfeierlichkeit mit Horst Bernard (VVN) an der Gestapo Gedenkstätte Neue Bremm, einem KZ, in dem viele Tausend Männer und Frauen grausam gefoltert wurden und etliche starben. Das Hotel, in dem wir übernachteten steht auf dem ehemaligen Gelände und weist explizit daraufhin. Nach einem Reisesegen von Diakon Horst-Peter Rauguth ging es in die Garnisonsstadt Saarlouis. Mit einem Empfang im Sitzungssaal im Landratsamt durch den Beigeordneten Klaus Engel und Waltraud Andruet (pax christi). Nach einer wunderbaren Talabfahrt übernahmen drei Polizeimotorräder der luxemburgischen Polizei im fliegenden Wechsel. Erst drei Tage zuvor hatte die Polizei Zustimmung zu dieser Begleitung signalisiert. Nichtsahnend fuhren wir in die Kleinstadt Roeser ein und wurden ausgelassen u.a. von Dutzenden SchülerInnen erwartet, was vielen Tränen im Feld in die Augen trieb. Bürgermeister Tom Jungen hatte es geschafft, dass Roeser die erste Stadt Luxemburgs war, die den ICAN Städteappell beschloss, um die luxemburgische Regierung zur Unterzeichnung des Verbotsvertrags aufzufordern. Nach einem fürstlichen Empfang in Arlon (Belgien) durch Zivilgesellschaft und Stadtverwaltung ging es in hohem Tempo und den drei Motorrädern nach Luxemburg Stadt. Rote Ampeln spielten wieder keine Rolle. Eine Ehre, die sonst nur der Prominenz in der Politik vorenthalten ist. Am Abend waren nach einem kleinen Empfang durch einen Stadtrat der Stadt Bürgermeister aus drei luxemburgischen Orten vertreten. Raymond Becker, der als Friedensbewegter früher u.a. im luxemburgischen Außenministerium arbeitete, betonte dabei die politische Notwendigkeit dieser Fahrt.

Am nächsten Tag waren wir wichtiger Teil des Weltbürgerfrühstücks in Trier, empfangen u.a. von Oberbürgermeister Wolfram Leibe und Markus Pflüger (AG Frieden). Selbst die Ministerpräsidentin Malu Dreyer ließ sich mit uns ablichten. Weiter ging es nch Büchel, zum einzig noch verbliebenen Atomwaffenstandort in Deutschland mit Ansprachen von Marion Küpker (DFG-VK) und Elke Koller. Beide erhalten am 1. September den Aachener Friedenspreis.

Am Abschlusstag fuhr das u.a. mit dem Lorscher Bürgermeister Christian Schönung angewachsene Peloton durch das UNESCO Weltkultuerbe Mittleres Rheintal nach Mainz. Am Rathaus begrüßten uns Heidi Kassai (ICAN) und Gernot Lennert (DFG-VK), stellvertretend für den durch die Wahlen verhinderten Oberbürgermeister Michael Ebling. Und mehr als fürstlich ging es am Kloster Lorsch zu (ebenso Weltkulturerbe). Neben dem Bürgermeister war am Wahltag Landrat Christian Engelhardt gekommen. Pfarrer Michael Bartmann gab Gottes Segen für die letzten Kilometer.

Mit dieser Raddemo wurde deutlich, wie sehr die Kraft eines genialen Teams und einer großartigen Gemeinschaft wirkt. Wenn das scheinbar unmögliche möglich wird. So gab es in vier Tagen nur einen Beinaheunfall und keinen einzigen Verletzten. Frieden auf dem Weg. Frieden ist der Weg. Durch Dialog und Kooperation, Versöhnung und Abrüstung, Stärkung des Völkerrechts und zivile Konfliktbearbeitung.

Lest auch den Artikel von Ernst Rattinger in der Zivilcourage, der Verbandszeitung der DFG-VK

Fotos von Ernst Rattinger u.a.:

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